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Elektronischer Patient mit Gesundheits-App


Generali ist der erste Versicherer, der seinen Versicherten vergünstigte Tarife gegen elektronische Überwachung anbietet. Wer künftig seine sportlichen Aktivitäten und seine Ernährung per App mit dem Versicherer teilt, spart Geld – und der Datenschutz?

Das Konzept der Generali-Gruppe sieht folgendermaßen aus: Der Versicherte liefert dem Versicherer per App detaillierte Informationen über seinen gesunden Lebensstil – dieser muss schließlich nachgewiesen werden. Er übermittelt Daten zu Vorsorgeuntersuchungen, seinem Sportpensum, was zu Hause auf den Tisch kommt und welchen Lebensstil er pflegt. Im Gegenzug erhält der Versicherte zunächst Geschenke und Gutscheine, später günstigere Prämien. Innerhalb der nächsten 18 Monate will Generali dieses Paket auch in Deutschland einführen.

Der Versicherer steht hinter seinem Konzept vom elektronisch überwachten Patienten. Die Menschen würden gesünder leben, das sei gut für sie und für den Versicherer. Schließlich kostet ein sportlicher, normalgewichtiger Mensch, der nicht raucht und sich gesund ernährt, den Versicherer im Schnitt deutlich weniger als ein übergewichtiger Raucher.

Versicherungsschutz nach privatem Lebensstil?

Mit der Privatsphäre vor dem Versicherer ist es mit der elektronischen Überwachung vorbei – wenn der Versicherte die neuen Angebote annimmt. Das Problem: Wer seinen Lebensstil nicht überwachen lässt, wird künftig mehr zahlen. Verbraucherschützer sehen hier große Probleme mit dem Datenschutz der Versicherten. Es sei unklar, wie die Daten beim Versicherer weiterverarbeitet würden.

Neben Datenschutzverletzungen besteht ein weiteres Problem im Selbstverständnis von Versicherungen. Das Konzept einer Versicherung beinhaltet, dass verschiedene Risiken ausgeglichen werden. Gibt es unterschiedliche Tarife je nach Risikobewertung und privatem Lebensstil, könnte die kollektive Versicherung bald der Vergangenheit angehören.